Soll ich oder soll ich nicht?

Warum Entscheidungen treffen so schwer ist und fünf Tipps wie es leichter geht

Ein Artikel von Susanne Schwarz, Coach und Gründerin von ICH & WIR

“Was soll ich nur anziehen?” ist vermutlich eine Frage, die primär Frauen beschäftigt, die dann hektisch den ganzen Kleiderschrank auf den Boden zerren, um festzustellen, dass sie wirklich wirklich nichts anzuziehen haben.

Doch auch Männern fallen Entscheidungen schwer.

Gerne würde ich wissen, wie viel Zeit Menschen damit verbringen, sich im Internet Optionen anzuschauen und noch mal und noch mal dazu recherchieren.
Wie viel Zeit wir damit verbringen, mit Partner:innen und Freund:innen darüber zu sprechen, welches wohl die beste Entscheidung wäre. Wie viele Stunden Schlaf uns durch nächtliches Grübeln über Optionen und mögliche Konsequenzen verloren gehen.

Doch warum ist das so? Warum fallen uns Entscheidungen so schwer? Und haben wir eine Chance, es uns einfacher zu machen?

Entscheidungen sind Energieräuber

Neurowissenschaftler haben angeblich festgestellt, dass unser Gehirn am meisten Energie verbrennt, wenn wir Entscheidungen treffen müssen.

Im Klartext bedeutet das, je mehr Entscheidungen ich über den Tag verteilt treffen muss, desto geistig erschöpfter bin ich abends. Wenn ich dann abends auch noch entscheiden muss, was ich essen möchte, kann es schnell zur Überforderung kommen und dann landet halt schnell die Pizza im Ofen oder der Lieferdienst wird angerufen (wobei ich ja da auch auswählen muss…puh…).

Im Folgenden gebe ich dir fünf Gedankenanstöße für deinen Entscheidungsprozess und wie du mehr Raum und Energie für wichtige Entscheidungen schaffen kannst.

1. Lebe energiesparend – minimiere Entscheidungen
2. Schaffe dir Routinen – auch beim Essen
3. Priorisiere hart und eindeutig
4. Entscheidungen entstehen im Bauch – der Kopf muss sie umsetzen
5. Du triffst immer die zu dem Zeitpunkt richtige Entscheidung
1. Lebe energiesparend – minimiere Entscheidungen

Um für die wirklich wichtigen Entscheidungen gute Energie zu haben, lohnt es sich, seine Entscheidungen zu minimieren. Barack Obama habe einmal gesagt, er müsse täglich so viele wichtige Entscheidungen treffen, da wolle er nicht auch noch entscheiden müssen, welchen Anzug er trägt. Deswegen gäbe es graue und blaue – und eine klare Regel, wann er welche trage.

Wie kannst du das für dich umsetzen?
Es geht hier nicht um Kleider, sondern darum, dass du nur eine begrenzte Kapazität für Entscheidungen hast und hier klare Prioritäten setzen kannst. Was sind wichtige Entscheidungen und wie schaffst du es, weniger Entscheidungen zu treffen? Überlege dir, in welchen Bereichen du Entscheidungen minimieren kannst, in dem du dir entweder vorab schon Gedanken machst oder dir auch ein Regelwerk überlegst.

Und: triff wichtige Entscheidungen morgens, wenn dein Entscheidungsenergievorrat noch gefüllt ist.

2. Schaffe dir Routinen – auch beim Essen

Routinen machen das Leben nicht eintönig, sondern schaffen Raum für kreative (Entscheidungs)Prozesse. Die meisten Menschen haben eine klare Frühstücksroutine und essen und trinken morgens immer das gleiche – außer vielleicht am Wochenende. Aber wie ist das mit dem Mittag- oder Abendessen?

Ich selber esse unter der Woche mittags häufig das gleiche – und das phasenweise über einen längeren Zeitraum. Eine Zeitlang war das Porridge mit Obst (da ich nicht frühstücke), aktuell eher Salat mit gebratenem Gemüse. In jedem Fall sind das einfache, schnelle, nahrhafte Gerichte. Ich muss nicht nachdenken, nicht entscheiden, nicht ewig in den Kühlschrank schauen. Meine Einkaufsliste ist sehr eindeutig. Am Wochenende genieße ich es dafür, schön zu kochen – da nehme ich mir dann die Zeit und freue mich auch über neue Rezepte.

Wie kannst du dir Routinen beim Essen schaffen? Wo kannst du noch Routinen entwickeln?

3. Priorisiere hart und eindeutig

So viele Aufgaben, ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll, kolossale Überforderung…ich schau erst mal bei Facebook rein…

Ja, das kennen wir alle. Deswegen sind Planung und Struktur und eine klare Priorisierung so wichtig. Ob du ein Bulletjournal oder ein digitales Tool nutzt: wichtig ist, dass das was du tust, auf deine Ziele einzahlen.

Was ist dein Jahresziel?
Dein Quartalsziel?
Wie verteilst du dies auf die kommenden drei Monate?
Welche Aufgaben ergeben sich daraus für die nächsten Wochen?
Für diese Woche?
Für heute?
Für JETZT?

Morgens zu starten und nicht klar zu wissen, was ansteht, was ich heute machen MUSS, ist kein guter Start. Daher geh doch abends noch einmal deine Aufgaben durch, priorisiere sie und prüfe hart und deutlich, ob sie auf deine Ziele einzahlen.

4. Entscheidungen entstehen im Bauch – der Kopf muss sie umsetzen

Ob du es nun Bauchgefühl oder Intuition nennst – du spürst, wenn sich etwas richtig anfühlt oder auch nicht. Vertraue diesem Gefühl. Vertraue ihm richtig tief.

Es ist dein Kopf mit all den Gedanken, der dir dieses Gefühl madig macht. Der Ängste und Zweifel, der Mindfucks und Glaubenssätze hat und der vor allem die Umsetzung deiner Entscheidung planen muss. Doch da sitzen auch die Bequemlichkeit und ein Schweinehund im Planungsboot – und die werden natürlich extrem unruhig, wenn es um Entscheidungen geht, die eine Veränderung nach sich ziehen. Und je größer die Veränderung, desto unangenehmer werden diese Gesellen.
Doch vertraue auch ihnen. Wenn sie müssen, dann können sie. Sie wollen nur vorher ordentlich maulen.

Anstatt also an einer möglichen Entscheidung zu zweifeln, gib deinem Kopf die Aufgabe einen Umsetzungsplan zu entwerfen. Wenn ich weiß, wie ich eine Entscheidung umsetzen kann, treffe ich sie einfacher.

5. Du triffst immer die zu dem Zeitpunkt richtige Entscheidung

Dieser Satz hat für mich alles verändert. Denn wir haben ja oft Angst davor, eine Entscheidung zu bereuen. Eine Entscheidung kann ich nur auf Basis der mir vorliegenden Informationen und Erfahrungen treffen. Nachdem ich eine Entscheidung getroffen habe, kann ich neue Erkenntnisse gewinnen und mache innerhalb des Rahmens der Entscheidung auch neue Erfahrungen. Weder konnte ich das eine vorher wissen, noch das andere mit einbeziehen. Daher bringt uns der Satz “ach hätte ich das doch mal früher gewusst” nicht weiter – auch Schuldgefühle und Bereuen nicht.

Stehe mutig zu deinen Entscheidungen. Denn zu dem Zeitpunkt war es die beste Entscheidung, die du treffen konntest. Sonst hättest du eine andere getroffen!

Fazit: Triff weniger alltägliche Entscheidungen, dann hast du mehr geistige Kapazität für die wirklich wichtigen.

Ich habe einmal in einem Artikel gelesen, dass man auch getrost eine Münze schmeißen kann – denn es geht nicht um die Entscheidung selber, sondern was du daraus machst. Daher ist der Weg, den du nach einer Entscheidung beschreitest, entscheidender als die Tür, für die du dich entscheiden musst. Auf jedem Weg begegnen dir immer wieder neue Herausforderungen und neue Entscheidungen.

Ich habe mich einmal für etwas entschieden, was mein Leben sehr schwer gemacht hat. Und es wäre sehr einfach zu sagen, Mensch hätte ich damals doch…dann wäre mein Leben jetzt so viel leichter. Das tue ich nicht. Ich stehe zu dieser Entscheidung, zu meinem Leben – denn damals war die Entscheidung genau richtig. Was aus einer Entscheidung wird, wissen wir vorher nie. Es geht nur darum, wie ich mit mir dann umgehe. Und ich mag mein Leben, so wie es ist. Mit allen Höhen und auch den Tiefen.

Du möchtest noch mehr zu diesem Thema wissen?

Einen spannenden Artikel zu dem Thema, wie sich Pausen und Müdigkeit auf unsere Entscheidungsfähigkeit auswirkt findest du hier.

Es gibt sogar wissenschaftliche Artikel und Studien darüber, wie psychologische, politische und soziale Faktoren richterliche Entscheidungen beeinflussen.

Und der sehr interessante Artikel von Gerald Hüther „Wofür soll ich mich entscheiden?“ geht noch einmal näher darauf ein was eigentlich im Gehirn passiert, wenn wir eine Entscheidung treffen, wie Entscheidungen eng mit unserem Energieverbrauch zusammen hängen und was das mit unseren Energiereserven macht.

Über Susanne:

Susanne Schwarz ist Inhaberin von ICH & WIR, einem remote und an schönen Orten arbeitenden Beratungsunternehmen mit Schwerpunkten wie Leadership, Kommunikation und Visionsentwicklung. Mit ihrem Motto “Surfen lernt man nur in kleinen Wellen” begleitet sie Unternehmen und Einzelpersonen sanft, aber beharrlich durch Veränderungsprozesse. Sie lebt und arbeitet in Berlin, Norwegen und anderen schönen Orten – wenn sie nicht mit ihrem Bulli irgendwo am Meer ist.

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